Montag, 13. Februar 2012

Poker-Regular mit Engelsgesicht: Pascal Goffart im Interview

Moin tosamm,

wehe, wenn ihn jemand unterschätzt und sein nicht gerade Gefahr verheißendes Konterfei als Anzeichen für Schwäche deutet: Dann ist Gefahr für die Poker-Bankroll im Verzug. Denn Regular Pascal Goffart, beheimatet in Düsseldorf, weiß mit seinen 20 Jahren definitiv, was er macht. Zu seinen größten Erfolgen zählen der 2. Platz beim Pharao's Poker Cup im November 2011 (68.000 Euro) und der 1.Platz bei der Tunisia Poker Open 2011 (68.500 Euro).

Was ihn von anderen Jungspunden im Pokerzirkus unterscheidet: Er spielt nicht unbedingt da, wo die meisten Kameras oder die größten Sponsoren anzutreffen sind. Im folgenden Interview gesteht er ein, dass ihn während seiner Reisen ein bestimmter Schwachpunkt in seinem Spiel viel zu lange begleitete - er dürfte vielen Spielern bekannt sein.

Beste Gröten,
Nico



Regular am Pokertisch: Pascal Goffart legt dabei viel Wert auf die Auswahl seines "Spielplatzes".
Pascal Goffart
Mitte Januar, gefühlte 20 Grad Celsius minus, du hast in Helsinki gesessen, während der gefühlte Rest der Pokerwelt auf den Bahamas beim PokerStars Caribbean Adventure schwitzte. Warum hast du dir den Frost angetan? Und wie schafft es ein solches Event, dich plötzlich auf der Gästeliste zu finden? 


Du hast in der Tat Recht: Helsinki im Januar, das heißt Minustemperaturen, Schnee und ist das genaue Gegenteil von den Bahamas. Mein Motto ist es, immer den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Das heißt: Turniere mit voraussichtlich schwächeren Spielern zu spielen. Eigentlich habe ich gedacht, dass bei der großeren Konkurrenz an anderen interessanten Turnieren (PokerStars Caribbean Adventure, WPT Dublin und Aussie Millions) sämtliche Profis nicht in Helsinki anzutreffen sind. Ich musste aber bereits am ersten Tag feststellen, dass dies nicht der Fall war. Sowohl die Cashgame-Tische wie auch die Turniere waren sehr stark besetzt.

War es da nicht ziemlich einsam, alleine unter Finnen?

Mit Einsamkeit auf Turnieren muss man sich als Pokerspieler abfinden. Das macht mir nichts aus und man lernt vor Ort immer neue Leute kennen.


Was bleibt nach Abschluss der Turnierwoche, als Erinnerung zurück? Und gab es einen Scheck, den du mit nach Hause nehmen konntest? Wie sieht generell die Nachbereitung eines Events für dich aus? 

Bares beziehungsweise einen Scheck konnte ich diesmal leider nicht mit nach Hause bringen. Grundsätzlich überdenke ich nach einem Pokerturnier sämtliche Spielzüge, die mich viel Geld beziehungsweise viele Turnierchips gekostet haben oder auch viel Geld eingebracht haben. Ich will vor allem die entscheidenden Fehler herausarbeiten und diese bestenfalls abstellen.


Was mich gewundert hat: deine Info, kaum online am Pokerfilz zu sitzen. Keine Grosssturniere auf Pokerstars und Co.? Wann hast du dich für diesen Weg entschieden? Und warum?

Jeder der mich kennt, spielt gerne online gegen mich (lacht). Das sagt alles über meine Spielstärke am virtuellen Filz aus. Nebenbei liegt eine große Stärke von mir darin, Spieler zu lesen. Dies kann man Online nicht beziehungsweise nur schwer einsetzen. Ab und zu trifft man mich dennoch online auf PokerStars und kleineren exotischen Pokerräumen an.


Zum Spiel: Welche deiner früheren kostspieligen Fehler konntest du mittlerweile glücklicherweise abstellen? Und wie hast du dies absolviert? Beispielsweise durch das Büffeln von Poker-Theorie? Oder schmerzhafte Erfahrungen am Pokertisch? Den Austausch mit Freunden?

Nun ja, mein größter und teuerster Fehler war definitiv mein 10-8-Spiel. Lange Zeit habe ich 10-8, was bekanntlich meine Lieblingshand ist, immer und zu jedem Preis bis zum Showdown gespielt. Unter Anderem wurde da Preflop ein All-In eines Gegners für 1.000 Euro gecallt. Nach wie vor ist 10-8 meine Lieblingshand. Mittlerweile spiele ich sie etwas vernünftiger. Grund und Auslöser waren riesige Verluste mit dieser Hand, die keine Statistik schönreden konnte.



Und welche Fehler deiner Gegner beobachtest du am häufigsten?

Beim Live-Poker ist es vor allem das Spielen der besagten Lieblingshände. Auf der anderen Seite hat sich das Pokerspiel in Deutschland in den letzten Jahren sehr zum Positiven entwickelt. Viele Spieler auf kleineren Sachpreisturnieren spielen mittlerweile durchaus gutes Poker, achten auf Tells der Gegner und Ähnliches. Aber auf die eigene Körpersprache achten die wenigsten, was für erfahrene Spieler natürlich ein gefundenes Fressen ist.


Folgende Situation: Einer deiner Tischnachbarn durfte mit ansehen, wie du glücklich verdoppelt hast, dann aber durch einen 3-Outer auf dem River an die Rails geschickt wirst. Sein Kommentar: "Endlich hat seine Glückssträhne ein Ende." Deine Erwiderung? Oder wie nimmst du derartige Äußerungen hin? Generell würde mich interessieren, was für dich angenehmer Table Talk ist - und ab wann es aufhört, lustig zu sein. 

Sämtliche Äußerungen von Spielern nehme ich zwar zur Kenntnis. Aber eine Reaktion gibt es da in den seltensten Fällen von mir. Früher habe ich mich über solche Spieler aufgeregt, habe getiltet und  schlussendlich Geld verloren. Heute denke ich nur noch: Jeder, der am Pokertisch sitzt, hat das Recht, mit seinem Geld das zu machen, was er möchte. Und wenn jemand der Meinung ist, in einer bestimmten Situation das Glück entscheiden zu lassen - aus welchem Grund auch immer - dann soll er das machen.


Apropos Spaß: Wann war die letzte Partie mit deinen Freunden, mit denen du die Basis für deine Pokerleidenschaft gelegt hast? 


Meine letzte Pokersession mit Freunden aus meiner Anfangszeit als Pokerspieler liegt leider schon über zwei Jahre zurück. Jeder hat sich beruflich bzw. schulisch anders entwickelt und daher sind viele umgezogen beziehungsweise haben schlichtweg keine Zeit mehr zum Pokern.


Und brennt das Feuer auch noch, wenn es um kleine Summen geht?

Selbstverständlich! Ich bin auf jede Pokerrunde heiß, egal wie hoch das Buy In ist. Deshalb nehme ich auch des Öfteren an diversen Sachpreisturnieren wie der "Club 7 Poker Tour" in Düsseldorf oder den regelmäßig stattfindenen Turnieren im "Abendrot" in Aachen teil. Vor allem die Turniere dort sind durchaus eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Turnieren im Casino. Denn dort erhält man höhere Teilnehmerzahlen als im Casino Aachen, kleine Buy-Ins und eine Ausschüttung, die wirklich fair ist.

Kurz vor dem Abschluss: Welche drei Spieler aus Deutschland zählst du derzeit zu den stärksten?

Nun einen stärksten Spieler beziehungsweise die drei stärksten Spieler in Deutschland möchte ich nicht küren, da ich denke, dass sich viele Spieler gemeinsam auf einem hohen Level befinden. Meine Vorbilder sind jedoch definitiv Marvin Rettenmaier - die Anzahl der Cashs ist einfach unglaublich - und Heinz Traut, den ich bereits am Anfang meiner Pokerkarriere im Casino Aachen kennengelernt habe.


Wann hast du denn mit dem Pokern angefangen?


Das war mit 15 Jahren. Nachdem einige Freunde und ich diverse Pokersendungen im TV gesehen hatten, haben wir uns gedacht, auch einmal zu pokern. Daraus wurde dann eine feste Runde mit acht Spielern, mit der wie regelmäßig Sit & Go's um kleine Einsätze spielten. Nach geraumer Zeit veranstalteten wir dann eine Liga. Nach über 30 Spieltagen konnte ich mich letztendlich deutlich gegen den Rest durchsetzen. Nach Abschluss der Liga ist die Runde leider eingeschlafen.

Einen Tag nach meinem 18. Geburtstag ging ich in das Casino Aachen, das lange Zeit mein Stammcasino war. Bemerkenswert ist das gute Verhältnis der Aachener Stammspieler untereinander, was meiner Meinung nach nicht selbstverständlich ist. Tagsüber oder etwa vor den abendlichen Pokerabenden im Casino hat man sich regelmäßig zum gemeinsamen Essen getroffen.

Seit Anfang 2010 kamen dann immer öfter auch Turniere dazu. Anfänglich habe ich erfolgreich an diversen kleineren Terminen in Österreich und Deutschland teilgenommen. Seit dem Jahr 2011 bin ich oft in ganz Europa und teilweise auch außerhalb von Europa auf Pokerturnieren unterwegs. Eines davon wird die WPT Mauritius sein.

Pascal, Vielen Dank für deine Zeit!


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