Dienstag, 22. Mai 2012

Friesland Poker: Full House im Kopf

Moin tosamm,

Zu Beginn der Partie bekommen Spieler bei Friesland Poker 10.000 Chips.
"Nico, die Blinds bitte!" - schon wieder? Die Zeit am Pokerfilz
vergeht fix, wenn man mental nicht präsent ist.
Foto: Nico Lindner
zum geschätzten 16. Mal bekomme ich am Pokertisch einen freundlichen Hinweis darauf, doch bitte meine Blinds zu zahlen. Ich wundere mich: Bin ich wirklich schon wieder dran? Normalerweise hätte ich spätestens jetzt merken müssen: Da läuft etwas schief. Und es ist nicht Müdigkeit, die man einfach durch ein wenig Koffein wegspülen kann.

Sonnabend bin ich seit langem einmal wieder im Vareler Tivoli gewesen: Dort findet monatlich ein Pokerturnier von Friesland Poker statt, meiner Stammadresse für Sachpreis-Poker. Selbst wenn ich in Oldenburg wohne, nehme ich gerne ein paar Extrakilometer auf mich, um dort zu spielen. Die Stimmung passt einfach. Auch an jenem Sonnabend: Der Table Talk war nett, gleich zu Beginn saß ich mit einer sehr herzlichen und humorvollen Runde zusammen. Darunter auch Spieler, mit denen ich mich auch abseits des Tisches sehr gut verstehe. Sicher, stark sind sie auch, was ich aber in Kauf nehmen. Meine Gegner kann ich mir am Pokerfilz in der Regel nicht aussuchen, wenn ich mich für ein Turnier anmelde. Hier passte die Mischung: Viele Witze wurden ausgetauscht und markante Hände angesprochen.

Volles Haus im Kopf

Mein Kopf war allerdings nicht im Saal, sondern noch zu Hause. Sohnemann hatte zu diesem Zeitpunkt noch mit einem blöden Husten zu kämpfen, meine Frau passte auf ihn auf. Im Februar war er wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Dann denkst du umso mehr daran, dass sich etwas Ähnliches wiederholt oder ein Husten wieder schlimmer wird - selbst wenn das nicht der Fall ist. Und du weißt: Wenn ein Poker-Event länger dauert, bist du erst spät wieder daheim. 

Am Tisch bin ich folglich fadenscheinigen Draws hinterhergehetzt, habe üble Starthände ausgewählt, um zu raisen und nicht den Mut gehabt, bestimmte Moves bin zum All-In durchzuziehen, um Kontrahenten einen erneuten Call teuer zu machen.

In einer idealen Pokerwelt registriere ich nicht nur meine guten Hände,
sondern auch solche, die glücklich waren. Oder in denen ich
Mist gebaut habe. Diese Fehler stelle ich dann ab.

Screenshot auf PKR: Nico Lindner 
Als sinnlos empfinde ich den Abend aber trotzdem nicht. Sicher, ich war schon vor der ersten Pause raus. Die Kontaktpflege mit meinen Vareler Pokerfreunden war mir die Tour aber wert. Interessante Themen hatten wir nämlich auch am Sonnabend: Beispielsweise die Frage, ob und wann man sich darüber aufregen kann und darf, wenn man frühzeitig nach Hause fahren muss.

Der Schwächere zahlt. Irgendwann.

Ist eine pochende Halsschlagader etwa gerechtfertigt, wenn mich ein technisch schwächerer Spieler mit einer mehr als fragwürdigen Hand auf dem River kalt erwischt, obwohl ich selbst keine offensichtlichen Fehler gemacht habe? Oder ist nur dann alles Paradiso, wenn mein Gegner ebenfalls lupenrein gespielt hat?

Wann eine Pokerhand die Aufregung wert ist

Ich bin der Ansicht, dass man sich nur über Dinge aufregen kann, die man selbst zu verantworten hat. Wenn mein Gegner glücklich trifft, beglückwünsche ich ihn. Auf lange Sicht ist er mit einer fantasievollen Handauswahl auf dem Holzweg. Das erkläre ich ihm aber nicht. Schlägt der Zufall zu und meine Asse werden durch ein Paar Buben gekillt, konnte ich das ebenfalls nicht steuern. In meinen Augen ist nur dann Ärger angebracht, wenn ich durch eigenes Verschulden einen Spielverlauf derart beeinflusst habe, dass der böse Ausgang vorhersehbar war. 

Fehler dürfen nicht gepflegt werden 

Ein Beispiel: Ihr macht einen Fehler beim Spielen einer Hand, registriert diesen, macht denselben falschen Move aber später erneut. Über den ersten Lapsus kann ich lächeln und die Situation, in der er passierte, registrieren und analysieren. Mache ich ihn aber erneut, darf und muss ich mir kräftig in den Afterballen beißen. Wie behalte ich die Übersicht? Über Notizen. Am einfachsten funktioniert es mit Stift und Papier, gegebenenfalls mit einem Notizbüchlein. Ich habe aber schon SMS oder Mails in meinem Handy abgespeichert, die einem einzigen Zweck dienten: Erfahrungen am Tisch festzuhalten. Und sei es, um mir zu merken, wie ein bestimmter Gegner am Pokertisch tickt. Diese Arbeitsweise muss auch ich wieder stärker für mich entdecken.

Wie verarbeitet Ihr selbst Eure Fehler und Erfahrungen? Auf Eure Mittel und Wege bin ich gespannt. Danke im Voraus für Eure Antworten!

Beste Gröten, Nico

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