Sonntag, 1. Juli 2012

Gehirn-Doping: Warum ich Poker News (US) nicht mehr unterstütze

Moin tosamm,

es waren nur ein paar Zeilen Text, die auf der Facebook-Seite von Poker News (USA) auftauchten, einem der größten Poker-News-Netzwerke der Welt. Und die mich trotzdem derart in Rage brachten, dass ich diese Seite in Zukunft nicht mehr unterstützen werde, sei es durch das Teilen von News oder meine Teilnahme an Aktionen der US-News-Plattform.

Rechts ist der fragliche Promotion-Post zu lesen. Wie würde es Euch
gefallen, beim nächsten Olympiade-Bericht zwischendurch
Doping-Werbung zu sehen?
Screenshot: Nico Lindner
Kern des Postings: Werbung für eine Substanz, die es dem Pokerspieler erlauben soll, fokussierter und leistungsfähiger am Pokerfilz zu sein. Im Klartext: Doping für das Gehirn. Nein, Danke - wenn ich jemanden am Pokertisch gegenübersitze, haben leistungsfördernde Medikamente dort nichts zu suchen - genauso wenig wie bei der Olympiade oder bei irgendeinem anderen Sport.

Wer dopt, schadet nicht nur seinen Gegnern, er schadet auch dem Poker-Sport an sich. Was hilft es beispielsweise, wenn unser schönes Spiel immer mehr aus den Hinterzimmern tritt, sich aber jeder fragt, ob jemand irgendwelche Substanzen einwirft, um sich Vorteile zu verschaffen? Niemanden - im Gegenteil.

Ich habe die International Federation of Poker in diesem Zusammenhang um eine Stellungnahme gebeten: Was für einen Standpunkt vertritt die weltgrößte Interessensvertretung für Poker? Wenn eines ihrer Ziele die Anerkennung von Poker als Geistessportart ist, müsste er ziemlich eindeutig sein.

Einen Tag später hatte ich bereits Antwort auf meine Mail an Anthony Holden, Präsident der IFP:

Klare Botschaft der World Anti Doping Agency: Sagt "Nein" zu
Doping, gewinnt sauber.
Quelle: Facebook-Seite der WADA
"Lieber Nico Lindner, es wird dir gefallen, dass die IFP und ich persönlich ebenfalls deine negative Einstellung zum Gehirn-Doping vollkommen teilen als auch den Gebrauch jeglicher Substanzen verneinen, die zur Förderung der Leistungsfähigkeit bei anderen Sportarten und auch Geistessportarten oder irgendwo sonst dienen. Die IFP ist eingetragenes Mitglied der World Anti Doping Agency, die Einhaltung ihrer Regeln wird bei unseren Turnieren streng überwacht. Dies wird auch in unseren Statuten klar definiert."

Mr. Holden, vielen Dank für die rasche Antwort. Freuen würde es mich, wenn Ihre Vereinigung in Zukunft gerade zur Zeit der WSOP noch stärker darauf aufmerksam macht, wie falsch Mind-Doping ist. Vielleicht können Sie gar das Orga-Team der WM der Pokerspieler zu einem klaren "Nein zu Doping" bewegen? Und weitere Poker-Organisationen, beispielsweise den Deutschen Pokersportbund?

Ich zitiere an dieser Stelle gerne die deutsche Anti-Doping-Agentur, die NADA, die schildert, was sonst passiert:

"Sieger wird nicht der beste Athlet, sondern der, der bereit ist, die größten gesundheitlichen Risiken um des Siegens willen auf sich zu nehmen."


Spielt fair. Erhaltet die Glaubwürdigkeit von Poker. Wer blufft, hat Mut. Wer dopt, schadet sich und dem Spiel.

Beste Gröten, Nico


P.S. Was meint Ihr zu diesem Thema? Auf Euren Kommentar freue ich mich sehr.

P.P.S. Euch gefällt mein Blog-Eintrag? Ihr habt vielleicht etwas mitgenommen, was Euch für Euer eigenes Pokerspiel nützt? Oder habt meinen Post einfach gerne gelesen? Dann würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr auch hier vorbei schaut. Damit unterstützt Ihr meinen Blog. Vielen Dank!